https://doi.org/10.31648/ep.12148
In der Forschung zur Geschichte des Schlafes wurden viele verschiedene Quellen herangezogen, darunter: Gesetze, Kompendien, Tagebücher, Korrespondenz, Bestandsverzeichnisse, Rechnungen von Institutionen und Haushalten, Belletristik und Ikonografie. Der Autor dieses Beitrags stellt die Möglichkeiten vor, die eine bisher wenig genutzte Quelle für Forscher bietet – Musterdialoge (Sprachführer) zum Erlernen von Fremdsprachen. In Europa der frühen Neuzeit waren sie weit verbreitet. Sie erschienen auch im deutsch-polnischen Sprachgebiet, in Königlich-Preußen und Herzoglich-Preußen sowie in Schlesien. Sie sollten vor allem der bürgerlichen Jugend, deren Muttersprache Deutsch war, beim Erlernen der polnischen Sprache helfen. Den künftigen Kaufleuten und Handwerkern aus Danzig, Breslau und kleineren Städten erleichterte die Kenntnis des Polnischen das Zusammenleben und die Geschäftsbeziehungen mit Polen aus der näheren Umgebung und aus dem Landesinnerem. Der Autor analysiert vier Gesprächssammlungen: von Mikołaj Volckmar (1612), Johann Ernes (1689), Karol Woyna (1690) und Jan Moneta (1720). Sie enthalten Informationen über die Schlafzeiten von Erwachsenen und Kindern in den Häusern der Bürger und – in geringerem Maße – des Adels; über die materiellen Bedingungen der Erholung: die zu diesem Zweck genutzten Räume, Möbel, Bettwäsche und über die Nachtkleidung. Einige Dialoge beschreiben recht ausführlich die Faktoren, die einen ruhigen Schlaf erschweren: harte Betten, Kälte, Geräusche (Schnarchen von Personen, die sich ein Schlafzimmer oder Bett teilen, Hundegebell, Katzenmiauen), Befall durch Insekten – Flöhe, Wanzen. Andere beschreiben psychische Phänomene, die die Schlafqualität beeinflussen – Nachtängste, Albträume und Träume. Dank den Dialogen können die täglichen Rituale erkannt werden, die das Zubettgehen und das Aufstehen am Morgen begleiteten
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